Whisky-Kurztrip: 3 Tage auf Islay

Mein Whisky-Kurztrip auf die Insel Islay ist auch schon wieder drei Jahre her. Angesichts von Brexit und Corona muss ich inzwischen beinahe wehmütig an diese grandiosen Tage denken.

Der Verfügbarkeit und den Preisen der Flüge war es geschuldet, dass ich auf der Hinreise nach Glasgow geflogen bin und den Rückflug ab Edinburgh gebucht habe. Rückwirkend gesehen war das prima, so konnte ich vor dem Rückflug immerhin noch einen schönen Spaziergang durch Edinburgh machen. Im Wiederholungsfall werde ich dort unbedingt noch eine oder zwei weitere Nächste einplanen. Aber von vorne…

Kurz vor 21 Uhr in Glasgow gelandet, hat mich meine erste Etappe mit dem Mietwagen nur bis in das Dörfchen Luss am Loch Lomond gebracht. Dort hatte ich eigentlich eine Nacht Bed & Breakfast im Glenview Luss gebucht und ich war nicht schlecht überrascht, als ich vor verschlossenen Türen stand und auch unter der Telefonnummer der Unterkunft niemand abgenommen hat – meine späte Ankunft war eigentlich angekündigt.

Das Loch Lomond Arms Hotel schräg gegenüber war meine Rettung. Hier habe ich nicht nur ein Zimmer für die Nacht bekommen, sondern wurde im netten Pub mit Kamin auch noch hervorragend mit Essen und Trinken versorgt. Der Rezeptionist des des Glenview hat übrigens später noch zurückgerufen, da hatte ich mich mit den Annehmlichkeiten des Arms allerdings schon bestens arrangiert.

Früh am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Kennacraig, von wo aus ich die Überfahrt nach Islay gebucht hatte. Die rund zwei Stunden auf der Fähre waren ausgesprochen unterhaltsam, nicht nur, weil ich mir ein deftiges Frühstück mit Haggis eingepfiffen habe, sondern auch weil die britische Küstenwache die raue See für eine Rettungsübung genutzt hat, in deren Verlauf wir gut eine Stunde lang von einem Hubschrauber und jeder Menge Action begleitet wurden.

Nach der Ankunft in Port Ellen hatte ich direkt die drei südlichen Destillerien der Insel auf dem Programm: Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg. Laphroaig durfte ich dann am letzten Tag meines Aufenthalts noch ausführlich kennenlernen, bei den anderen Brennereien hat es leider jeweils nur für ein wenig Luft schnappen (im wahrsten Sinne des Wortes, man riecht, was die machen) und für einen Aufenthalt im Besucherzentrum gereicht. Wer eine solche Reise plant, sollte sich unbedingt schon im Vorfeld für Führungen und dergleichen anmelden, spontan geht da in der Regel nichts.

Ihr könnt euch darauf verlassen, dass es in allen Whisky-Destillerien die Möglichkeit zur Verkostung und zudem meist auch ein zugehöriges Café gibt. Wer etwas Besonderes sucht, wirft einen Blick auf die Sonderabfüllungen, die es ausschließlich in den Destillerien selbst zu kaufen gibt. Teils muss man hier einfach auch fragen, um die guten Tropfen wie etwa bei Lagavulin in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre verkosten zu dürfen.

Ich bin vor meinem Besuch bei Ardbeg übrigens erstmal noch weiter bis zum Kildalton Cross gefahren. Das auf einem kleinen Friedhof stehende Keltenkreuz ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel.

Anschließend ging es weiter zum Harbour Inn in Bowmore. Der zentrale Ort der Insel wird von der namengebenden Destillerie dominiert und auch das Harbour Inn mit seinem Restaurant und Gästezimmern gehört zur Brennerei. Wenn man die Hauptstraße hoch zur Kirche spaziert, kann man einen schönen Blick über den Ort und über die Bucht bis nach Bruichladdich genießen.

Von meinem Stützpunkt in der Mitte der Insel aus habe ich an den folgenden beiden Tagen verschiedene Sightseeing-Ausflüge gemacht sowie die restlichen Brennereien besucht. Es bietet sich an, die Fahrt zu Bruichladdich mit einer Visite in Portnahaven zu verbinden. Von dem Fischerdorf an der Südspitze der Halbinsel kann man bei gutem Wetter bis nach Irland sehen. Auf der Rückfahrt passt noch ein Abstecher zur Kilchoman Destillerie ins Programm, übrigens die einzige Brennerei auf der Insel, die nicht direkt an der Küste sondern wie eine große Farm im Landesinneren liegt.

Einen weiteren Tag sollte man dem nördlichen Teil der Insel widmen, am besten auch gleich mit einem Ausflug auf die Nachbarinsel Jura. Ich ärgere mich heute noch darüber, dass ich das Angebot des Fährmanns, spontan noch mitzufahren, abgelehnt habe. Die Fähre nach Jura fährt ab Port Askaig, ein kleiner Hafen mit einem Hotel mit imposantem Whisky-Regal.

Unweit von Port Askaig liegt die Coal Ila Distillery und wenn man ein Stückchen weiter die Landstraße Richtung Norden einschlägt (genau genommen ist das eher ein schmaler, aber aspaltierter Feldweg) erreicht man nach etwas längerer Fahrt auch die nördlichste Brennerei von Islay Bunnahabhain. Auf halber Strecke findet sich mit Ardnahoe inzwischen auch die neunte Destillerie auf der Insel, die zum Zeitpunkt meines Besuchs noch gebaut wurde.

Krönender Abschluss meines Ausflugs war das „Water to Whisky Experience“ bei Laphroaig. Alles in allem waren wir da rund vier Stunden unterwegs, das Event beinhaltet neben einer Brennerei-Besichtigung Ausflüge zur Wasserquelle und in die Torffelder von Laphroaig, inklusive zünftigem Vesper und verschiedenen Whisky-Proben.

Bei der Rückreise war mein Gepäck übrigens deutlich schwerer als beim Hinweg. Grundsätzlich lohnt es sich in der Regel zwar nicht, die Whiskys, die es auch hierzulande gibt, aus Schottland zu importieren. Allerdings bekommt ihr in den Brennereien stets exklusive Abfüllungen, von denen man unbedingt die eine oder andere als Erinnerung mitnehmen sollte.